Die Berufschancen packen

20. Juni 2019 agvs-upsa.ch – Lehrabschlussprüfung oder Qualifikationsverfahren (LAP/QV) und danach? Längst nicht alle Lernende im dritten Lehrjahr haben darauf eine Antwort. Bei der Woche der Future Day erhalten über 500 angehende Automobil-Mechatroniker einen Einblick in die Vielfalt der Weiterbildungsmöglichkeiten. AUTOINSIDE war vor Ort.

jas. Im Berner Jura, in der malerischen Natur, dort wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, hier soll die berufliche Zukunft für Lernende der Autobranche im dritten Lehrjahr liegen? Für viele unvorstellbar, aber korrekt. Denn genau in dieser Abgeschiedenheit ausserhalb von Vauffelin BE liegt das Dynamic Test Center. Das DTC ist nicht nur eines der wichtigsten Test Center im Mobilitätsbereich europaweit, sondern auch Schauplatz der Future Day. Während einer ganzen Woche erhalten einige hundert Lernende hier einen Ein- und Ausblick in und auf ihre Berufszukunft im Mobilitätsbereich. Allein rund 500 Automobil-Mechatronikerinnen und -Mechatroniker aus der ganzen Schweiz sind mit ihren Fachlehrern zu Gast. Stefan Mattmann von der BBZB Luzern kommt bereits zum fünften Mal mit seiner Klasse nach Vauffelin BE: «Ich bin sehr gerne hier, um meinen Lernenden einen tieferen Einblick in ihre Berufswelt zu geben. Selbst wenn nur ein kleiner Teil meiner Klasse den Schritt wagen und eine Weiterbildung machen wird.» Der Luzerner Berufslehrer ergänzt: «Der Besuch beim Future Day zeigt ihnen einfach die Vielfalt ihrer Möglichkeiten auf. Und sogar, dass auch in einem Land ohne Automobilherstellung die Ausbildung zum Autoingenieur durchaus Sinn machen kann.»

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Eine klare Antwort zur Frage der Weiterbildung in der Mobilitätsbranche hat auch DTC-Geschäftsführer Bernhard Gerster auf Lager: «Als Autoingenieur hat man ein sehr breites Tätigkeitsfeld, arbeitet mit den neusten Technologien und hat erst noch gute Stellenaussichten.» Und zwar in allen Bereichen. «Jede siebte Person, die im Schweizer Industriesektor tätig ist, produziert Teile für die Automobilindustrie», erläutert Bernhard Gerster. 2018 erwirtschaftete die Schweizer Zulieferindustrie nicht weniger als 9 Milliarden Franken Umsatz. Wichtigster Sektor unter den rund 250 Schweizer Zulieferbetriebe ist aktuell die Fahrzeugelektronik. Doch den Absolventen des dritten Lehrjahres wird von der Abteilung Automobiltechnik der Berner Fachhochschule (BFH) zusammen mit dem Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) und weiteren Verbänden (Agrotec Suisse, Carrosserie Suisse, SVBA, 2rad Schweiz und SLMBV) nicht einfach nur eine Einbahnstrasse Richtung Autoingenieur präsentiert, sondern das Fenster in eine spannende und abwechslungsreiche Berufszukunft ganz weit geöffnet. Diese Plattform weiss auch der AGVS zu nutzen, um den Jungen klar zu machen, dass nach der Lehrabschlussprüfung oder dem Qualifikationsverfahren (LAP/QV) noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Und ihnen zu zeigen, wie wichtig junge Fachkräfte für die Branche sind. Von den schweizweit rund 800 Automobil-Mechatroniker lässt sich etwa jeder Vierte zum Automobildiagnostiker weiterbilden. Aber auch Jobs wie Automobil-Verkaufsberater, Kundendienstberater, Automobil-Werkstattkoordinator, diplomierter Betriebswirt und seit kurzem Fahrzeugrestaurator mit eidgenössischem Fachausweis oder auch Strassenhelfer eröffnen den Jugendlichen attraktive Perspektiven innerhalb der Branche.

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Ein echtes Bedürfnis, wie die vielen Jugendlichen zeigen, die sich für den Future Day interessieren und darin mehr als bloss einen Ausflug in den Berner Jura sehen. «Ich habe schon früher immer mit Lego gespielt und mich für Technik begeistert», erklärt Automobil-Mechatronikerin Julia Felber. «Meine Berufswahl war perfekt, und während der Lehre sind die Aufgaben noch spannender geworden. Nun bin ich offen für Vieles.» Sie nutzt den Future Day in Vauffelin genauso wie andere Lernende, um sich über mögliche Perspektiven zu orientieren. Schon recht konkrete Vorstellungen hat dagegen Simon Flückiger: «Mich hat immer alles fasziniert, was mit Autos zu tun hatte. Ich möchte Autoingenieur werden. Ich bin nun hier, um zu schauen, was es dazu braucht und welche anderen Optionen es noch geben würde.» Sein Kollege Tiago Castro-Ferreira verrät: «Ich habe viele Schnupperkurse gemacht und mich danach für die Lehre als Automobil-Mechatroniker entschieden, weil ich die enorme Vielseitigkeit des Jobs schätze und es jeden Tag etwas anderes zu tun gibt.» Über die Faszination zu grossen Fahrzeugen und zur Technik fand Matthias Hodel zur Lehre als Automobil-Mechatroniker: «Eine genaue Vorstellung, was ich nachher machen will, habe ich noch nicht. Aber der Tag hier bietet einen super Einblick. Ich könnte mir momentan vorstellen, die Ausbildung zum Automobildiagnostiker anzuhängen.»

Wir haben einige der Lernenden um ein kurzes Statement gebeten. Hier gehts zu den Videos.

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Die einzigartige Chance für einen vertieften Einblick in ihr Metier erhalten die jungen Berufsleuten in Vauffelin an den unterschiedlichsten Technikspots. Dort werden auch komplexe Themenfelder auf verständliche Weise vermittelt. Andreas Hüssy erläuterte etwa, wieso das neue WLTP-Abgasprüfverfahren so viel Aufwand bedeutet. Bruno Lauener zeigte unterschiedliche Materialbeschaffenheiten und die Vorzüge von Computersimulationen auf. Grossen Eindruck machte den angehenden Automobil-Mechatronikern vor allem der Technikspot mit dem Peugeot, der mit lediglich 10 km/h gegen eine Mauer rollte. Sprüche wie «Sollen wir uns anschnallen?» verstummten spätestens nach dem Versuch mit den ersten vier Probanden. Kurzes Losrollen, heftiger Aufprall und gleichzeitiges Nicken aller vier Insassen – so unsanft hatte sich dies bei dem tiefen Tempo keiner vorgestellt! Plötzlich war sogar den Zuschauenden klar, welche Bedeutung Sicherheit und Insassenschutz im Fahrzeugbau haben. So sensibilisiert wurden die Crashvideos am nächsten Technikspot gleich aus einem ganz neuen Blickwinkel und mit viel mehr Aufmerksamkeit verfolgt.

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Absolutes Highlight für alle war jedoch der Live-Crashtest am Nachmittag. Ein Opel Astra donnerte dabei mit 50 km/h auf eine feste Struktur, in diesem Fall einen Metallpfahl. Der Versuch soll unter anderem den Unterschied der Verformungen zwischen einem Fahrzeug mit quer eingebautem Motor wie beim Opel zu einem längs eingebauten Motor, der mehr Energie zu absorbieren vermag, deutlich machen. «Jetzt einfach nicht blinzeln, sonst verpasst ihr den Crash! Der dauert nämlich höchstens eine Zehntelssekunde», ermahnte DTC-Geschäftsführer Bernhard Gerster, dann meldete sich der mächtige V8-Motor der Seilwinde zum Dienst. Der Opel setzte sich vom Stahlseil gezogen langsam in Bewegung, wurde immer schneller, bis bei 50 km/h das Führungsseil ausgeklinkt wurde und der V8-Motor verstummte. Plötzlich herrschte absolute Ruhe und höchste Konzentration in Vauffelin. Gebannt starrten alle Richtung Metallpfahl und schon knallte es! Die Front des Opels bohrte sich unter lautem Knirschen in den Pfahl, schien ihn zu umarmen, währenddem das Heck des Astra angehoben wurde und mit lautem Rumps zu Boden kam. Der Aufprall hat gesessen und wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen, hoffentlich genauso wie die ganzen Infos, welche die Jugendlichen am Future Day für ihre Berufszukunft sammeln durften.

Eine positive Bilanz zieht Olivier Maeder von der AGVS-Geschäftsleitung: «Wir haben viele motivierte Lernende begrüssen können», erklärt der Bildungs-Experte zufrieden. «Und sie haben viele interessante Fragen gestellt!» Ein sehr positives Zeichen für die Zukunft des Schweizer Garagengewerbes.
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