Ein Blick in die automobile Zukunft

Von Auto-Piloten und neuen Geschäftsmodellen:

Wie sieht die Zukunft des Autofahrens aus? Immer bessere Assistenzsysteme sollen für mehr Sicherheit, eine höhere Energieeffizienz und weniger Stau sorgen. Doch die neuen Technologien bergen auch neue Gefahren.

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Während des Autofahrens E-Mails schreiben, Zeitung lesen oder Telefonkonferenzen führen – der Traum vieler Fahrzeuglenker soll schon in wenigen Jahren Realität werden. Denn die Hersteller und Zulieferer arbeiten seit langem mit Vollgas an der Entwicklung intelligenter Fahrzeuge, in denen Autopiloten den Menschen hinter dem Steuer ersetzen.

«So geben wir unserem Kunden ein Stück Lebensqualität zurück», erklärte Audi-Chef Rupert Stadler unlängst. Und auch Automobilwirtschafts-Experte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt: «Für vollautomatische Autos, die alles machen können – also auch in der Stadt und auf Landstrassen unterwegs sind - brauchen wir noch gut zehn bis 15 Jahre. Dabei wird die Entwicklung in Schritten ablaufen. Wir werden bald, also in vier bis fünf Jahren, auf den Autobahnen teilautomatisiert unterwegs sein können, mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h. In zehn Jahren sind wir dann vielleicht schon auf 100 bis 120 km/h. Und wenn das geschafft ist, folgt auch der Landstrassen- und Stadtverkehr, der ja wegen der Passanten und Radfahrer ungleich komplexer ist als der Autobahnverkehr.»

Der Professor der Universität Duisburg-Essen prophezeit: «Wenn wir uns das langfristig anschauen, dann werden wir ein völlig neues Automobil erleben. Das, was wir früher hatten, wird es nicht mehr geben. Das neue Auto wird vollkommen emissionslos sein und Unfälle gehören dann der Vergangenheit an. In 20 bis 30 Jahren kann das Auto alles ausser fliegen. Dann werden wir das Auto auch in unsere andere Mobilitätswelt integriert haben.»


Mehr Zeit, weniger Stau

Die Vorteile autonom fahrender Autos sind zahlreich: So verschaffen die selbstfahrenden Fahrzeuge ihrem Nutzer nicht nur mehr Zeit, sie sollen auch sicherer sein als herkömmliche Fahrzeuge, weniger Sprit verbrauchen und seltener Staus verursachen. Wie eine Untersuchung des Insurance Institute for Highway Safety gezeigt hat, reduzieren die heutigen Assistenzsysteme die Todesfälle auf den amerikanischen Strassen bereits um rund ein Drittel.


Noch steht das Gesetz dem Einsatz autonomer Fahrzeuge im Weg: Das «Wiener Abkommen über den Strassenverkehr» von 1968 schreibt vor, dass ein Fahrer jederzeit die Kontrolle über sein Fahrzeug haben muss. Das vollautomatisierte Fahren ist unter dieser Gesetzgebung nicht möglich. Das Problem wurde erkannt: Gleich zwei Arbeitsgruppen der Vereinten Nationen befassen sich derzeit mit der Überarbeitung der Verordnung.


Verborgene Gefahren

Doch bis das Auto selbstständig alle Fahraufgaben wahrnimmt, sind mit der neuen Technologie auch gewisse Risiken verbunden. Der Umstand, dass die Aufmerksamkeit der Piloten durch die immer umfangreicheren Fahrhilfen abnimmt, bietet Grund zur Sorge. Studien haben ergeben, dass Probanden mit einem Assistenten, der bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit mit einem blinkenden Kaffeetassen-Symbol zur Pause mahnt, im Schnitt 20 Minuten später einen Halt einlegen als die Probanden ohne Assistenzsystem. Ein ähnliches Bild zeichnet die aktuelle Studie des französischen Autobahnbetreibers Vinci, der herausgefunden hat, dass Fahrer mit Tempomat und automatischer Abstandsregelung bis zu einer Sekunde langsamer reagieren als Fahrer ohne diese Hilfen.


Potenzielle Gefahr durch Hacker-Angriffe

Mit dem verstärkten Einsatz von elektronischen Fahrhilfen vergrössert sich auch das Risiko von Pannen. Störungen an Batterie und Sensoren sowie Software-Fehler sind die häufigsten Ursachen dafür. Wichtig ist, dass der Lenker auf den ersten Blick erkennt, ob die Systeme noch funktionieren.


Letztlich muss auch ein Schutz vor Hacker-Angriffen gewährleistet werden. Forscher der Universität von Kalifornien und der Universität Washington haben aufgezeigt, dass sich mit den nötigen Fachkenntnissen nahezu alle Funktionen eines modernen Autos manipulieren und sogar fernsteuern lassen – sogar das Gaspedal und die Bremse. Die Entwickler müssen also noch einige Hürden aus dem Weg räumen, bevor die Maschinen das Autofahren vollständig übernehmen – und damit sicherer machen.


Die Vorteile von autonomen Fahrzeugen

Mehr Sicherheit: Selbst wenn man das erhöhte Risiko von technischen Mängeln mit einberechnet, ist die Fehlerquote von Maschinen bedeutend geringer als jene des Menschen.

Weniger Verbrauch: Im Stau sparen autonome Autos laut Sándor Fekete von der TU Braunschweig bis zu 40 % Sprit. Und auch im normalen Fahrbetrieb sind sie durch optimales Schalten, Bremsen und Beschleunigen effizienter als jeder noch so geübte Fahrer.

Weniger Staus: Wenn nur zehn Prozent aller Fahrzeuge regelmässig Position und Tempo in Echtzeitdaten weitergeben und sich die autonomen Fahrzeuge daran orientieren, kann die Kapazität der jeweiligen Fahrbahn fast um den Faktor 4 gesteigert werden.


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