Hausmesse, Auto-Salon, Automechanika: Was hinter den Superlativen der Frankfurter Leitmesse steckt


Innovation erlebbar gemacht: Ein Rezept, das die Automechanika zum Publikumsmagneten macht und ihr Beachtung garantiert (Quelle: Messe Frankfurt GmbH / Pietro Sutera).

 
20. Septemer 2018 agvs-upsa.ch – Sie hat ein Vierteljahrhundert Erfahrung im Kofferraum und zeigte vom 11. bis 15. September erneut, was es braucht, um als internationale Leitmesse der Automobilbranche für Ausrüstung, Zubehör, Management und Services zu gelten: Die Automechanika in Frankfurt am Main. AUTOINSIDE auf den Spuren der Innovation und hinter den Standkulissen der Messefahrer.

tki. Es ist wie der Moment, als man zum ersten Mal den Browser öffnete und die schier endlosen Möglichkeiten des Internets entdeckte. Die Automechanika lässt in Sachen Produkteauswahl, Vergleichsmöglichkeiten und Innovation selbst die Auto-Salon-verwöhnten Messebesucher staunen. Und dies heuer zum 25. Mal. Bereits beim Einlass in die zwölf Messehallen wird deutlich: Hier geht es um Dienstleistungen fürs Autogewerbe, die dem Garagisten sowohl in der Werkstatt als auch im Aftersales-Geschäft via Hebe­bühne ins digitale und darum überholspurschnelle Zeitalter von morgen hieven sollen.

Einsteigen in die Digitalisierung – «lieber heute schon als morgen»
Slogans wie «Freund der Werkstatt», gefunden beim Branchenriesen Hella-Gutmann, verdeutlichen, dass sich die Automechnika längst nicht nur an Grossimporteure und Werkstattketten richtet. «Nein, uns geht es vor allem um freie Garagisten», erklärt Jean-Paul Nicolier, Geschäftsführer der Hella Gutmann Solutions International AG. «Es geht darum, auch kleineren Werkstätten die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung vor Augen zu führen, sie mit ihnen zu diskutieren und sie darin zu schulen – lieber heute schon als morgen, denn der Wandel ist rasant», dies sein Plädoyer, das Hella-Gutmann derzeit an diversen regionalen «Stammtisch»-Workshops in der Schweiz vertritt.


Die Zukunft der Mobilität: Nicht nur bei Continental ein grosses Thema, sondern auch bei den Fahrzeugteile- und Softwareherstellern eine Frage des dafür erforderlichen Know-hows (Quelle: Messe Frankfurt GmbH / Pietro Sutera und Jens Liebchen).​

Internationale Rekordbeteiligung und Visitenkarte für «Made in Switzerland»
Als regional kann die Automechanika nach 25 Jahren Erfolgsgeschichte längst nicht mehr bezeichnet werden, knackte sie heuer doch die Marke von 5000 Ausstellern aus aller Welt. Vergleichbar mit dem Formel-1-Zirkus tourt der Ausstellertross mit Zwischenstopps in Shanghai oder etwa Las Vegas auf 17 Etappen um den Globus. «Die Automechanika hat sich vom Plan B zur erfolgreichsten internationalen B2B-Messemarke der Welt entwickelt», freute sich Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH, anlässlich der Auftaktpressekonferenz. «Die Dynamik des automotiven Aftermarkets ist ungebrochen», was sich auch in der Rekordbeteiligung mit Gästen aus mehr als 170 Ländern manifestiere, sagte Braun. So gaben unter den Ausstellern aus 75 Ländern auch diverse Schweizer eine sympathische und fortschrittliche Visitenkarte fürs hiesige Autogewerbe ab, indem sie dem internationalen Echo der Leitmesse folgten.

«Auf welches Pferd soll man setzen?»
Doch gerade diesen Strahlcharakter scheint die Automechanika eingebüsst zu haben, wie etwa am Stand der Otto Christ AG zu hören war. «Mit der Unity Stuttgart von Mitte Mai und der Automechanika Frankfurt stellt sich die Frage, auf welches Pferd man setzt: Fachpublikum oder Reichweite», sinnierte Alexander Fusz, internationaler Sales Director. «Es ist nicht ganz klar, wie sich die Messe in den kommenden Jahren aufstellen soll», blies auch Dersin Stein, CEO der auf Produkte rund ums Waschen und Pflege spezialisierten Max Urech AG, ins selbe Horn. Mit dem erstmaligen Fernbleiben von Mitbewerbern zog er eine Parallele zur Situation in der Halle 7 am Auto-Salon in Genf: den Exodus langjähriger Messefahrer.

Präsenzpflicht am Branchentreff
Armend Tunaj, technischer Berater bei der Sika Schweiz AG, dazu: «Ob Genf, Niederbipp, Langenthal oder Frankfurt: Es herrscht Präsenzpflicht. Es geht weniger darum, Geschäfte abzuwickeln, als darum, vor Ort zu sein. Wer fehlt, wirft Fragen zu seiner Marktpräsenz auf.» Und wer da ist, kann die Chance nutzen, zu zeigen, dass ein Team voller motivierter Mitarbeiter hinter der Produkteproduktion und -vermarktung steht, das bei Fragen weiterhilft», hakte Michael Büchner von Texa ein und schnitt ein wichtiges Thema in den alltäglichen Bemühungen der Garagisten um eine langfristige, solide Kundenbeziehung an: «Persönliche Nähe schafft Vertrauen in die eigene Expertise.»


Erstmals widmete die Automechanika der Restauration von Young- und Oldtimern einen eigenen Themen- und Workshopbereich. Eine Bestätigung für die Schweizer ­Bemühungen rund um die neue höhere Berufsbildung zum Fahrzeugrestaurator.

Christian Filomeno, Vertriebsleiter Speci­alty Lightning bei Osram, ergänzt: «Die Automechanika ist ein idealer Branchentreff, um sich mit Geschäfts- und Industriepartnern, aber auch mit anderen Marktteilnehmern über Trends und News im Aftermarket auszutauschen.»

Wer folgt der Einladung nach Frankfurt?
So war es Gang und gäbe, dass die Schweizer Messefahrer ihren Kunden, den Garagisten, das Messeerlebnis Automechanika möglich machten. Diese folgten allerdings nur vereinzelt der Einladung. Vielmehr waren es die Delegationen aus den Reihen der Generalimporteure, die den Weg in die zwölf Messehallen fanden. Was lockt respektive sollte ausser der immensen Vielfalt an Zubehör und Produkten an die Fachausstellung locken? Expertise. Workshops, Interaktivität, Referate: Horizonterweiterung lautet die Devise.

Innovation jenseits der technischen Möglichkeiten
Während einzelne Produkte an die Grenzen ihrer technischen Optimierbarkeit stossen, tun es die Anwendererlebnisse, Kommunikationswege und Auslastungschancen für Werkstätten nämlich noch längst nicht. Kurzum: Die Hersteller feilen an der Effizienz der Nutzung und Reichweite der Absatzkanäle für Dienstleistungen im Aftersales.

Dies zeigte Roland Hofer, Vertriebsleiter Schweiz der WashTec Cleaning Technology etwa anhand der Bemühungen für eine Waschstrassen-Flatrate auf. Ein Pilotprojekt, das bald im Bernischen getestet werden soll. Kurzum: Gelingt eine Veränderung hin zum steuerbaren Kundenverhalten, werden neue, lukrative Zusatzgeschäfte ermöglicht.

«Hinter den digitalen Werkstatthelfern stecken weit mehr als einfach handhabbare Tools: Sie sind existenziell für die Kommunikation mit den Fahrzeugsystemen und den Zugriff auf Daten und Netzwerke», wie es Uschi Winkler, Mediensprecherin von Hella-Gutmann, beim Beobachten der Unterhaltung zwischen technischen Mitarbeitern und Messefahrern erörterte.

«Wer sich in der Schweiz behauptet, geniesst Vertrauen»
Auf 315 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erhascht der Automechanika-Besucher definitiv eine Vorstellung der automotiven Möglichkeiten auf der anderen Seite seines Garagentors. Und er lernt womöglich die Überschaubarkeit in der Schweiz, wo die Anfahrtswege zum Lieferanten nahe, die Ansprechpartner erreichbar und Fachwissen an Hausmessen und mit diversen Weiterbildungsangeboten praktisch immer zugänglich ist, aufs Neue schätzen.

«Denn eines ist klar: Der Schweizer Markt ist sowohl anspruchsvoll als auch hart umkämpft. Wer sich bei den Garagisten behaupten und vor allem bewähren kann, darf mit seinen Innovationen zufrieden sein und geniesst Vertrauen», wie es das Team von Istobal, dem von KSU vertriebenen, spanischen Waschanlagenhersteller, mit einem Schmunzeln sagte. Eine Wahrheit, die auch den Garagisten im Zeitalter der Internetvielfalt und des Wandels bei seinen Kunden noch lange im Gespräch halten kann.
  
Weitere Infos zu den über 100 für die Innovationspreise nominierten Firmen sowie zu den Produkteneuheiten und Messeeckdaten unter: automechanika.de.
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